Andi Weiss: Gib alles, nur nicht auf! (CD und Buch)

Andi Weiss: Gib alles, nur nicht auf! (CD und Buch)

Starnberger See an einem Sonnentag: Am Steg macht ein junger Mann sein buntes Ruderboot klar. Das Wasser schimmert traumhaft türkis, er rudert los, hinter ihm die Silhouette der Alpen. Von oben sieht sein Schiff aus wie eine schützende Nussschale auf dem Ozean. Der Ruderer singt: „Und dann weißt du, du fliegst – weil du tust was du liebst und dir selbst keine Grenzen mehr setzt.“ Dann schwenkt er gelbe Signalnebel: „Es wird Zeit, in dein Leben zu starten! Morgen ist jetzt!“ Was für ein Video. In knapp vier Minuten entführt es in eine andere Welt.

Andi Weiss weiß, wie großes Kino funktioniert. Nicht nur das. Als Diakon sind ihm menschliche Sorgen und Abgründe vertraut. Als Logotherapeut weiß er, wie Menschen ihre Kraft neu finden. Als Songwriter verfügt er über die Fähigkeit, mit Liedern Inhalte direkt ins Herz zu transportieren. „Gib alles, nur nicht auf!“ heißt seine neue CD.  Auf dem Cover ist, natürlich, dasselbe Ruderboot zu sehen wie im Video.

Das Album birgt großes Kino für die Ohren und für die Seele. Jeder Song öffnet eine kleines Universum der Gefühle, jedes Lied spiegelt auf eigene Weise das Lebensgefühl und die Botschaft des Andi Weiss für all jene, die Kraft und Unterstützung brauchen, ihren eigenen Lebensweg zu meistern. „Am Ende des Tages bleibt nur die Frage, die du dir stellst: Wer du jetzt bist“ heißt es im Titelsong – „das Leben ist kurz und ungemein endlich“. Andi Weiss schafft es, solchen Platituden Tiefe zu verleihen. Für die, die an sich selbst zweifeln, hält er den Tipp parat: „Sei mit dir gnädig!“ Dann das bewegende Liebes-Vertrauens-Lied „Halt mich, komm halt mich“ – seine Frau Martina Weiss, die als Sängerin und Psychotherapeutin arbeitet, singt mit. Ohrwurmqualität hat „Bleib bitte hier“: „Du bist gewollt, du bist geliebt – du bist am Leben, nicht ohne Grund“. Zum Titel „Wann fliegst du los?“ gibt es ebenfalls ein Video. Wieder Meer. Brandung am Traumstrand, darüber eine spanische Gitarre. Latino-Musiker in einem Studio in Kuba. Im Lied geht es um das drohende Ende einer Beziehung. Doch Hoffnung aufgeben gilt nicht. „Wann fliegst du los? Was hält dich fest: die Angst zu scheitern?“ Tränen ziehen wird bei vielen Hörern sicher das Lied „Wenn ich mal geh“, in dem Weiss über den eigenen Tod sinniert. „Dann möchte ich sagen können: Ich hab gelebt, ich hab trotzdem getanzt, ich hab trotzdem geliebt.“

Einige Gedanken wiederholen sich in den 18 Songs der CD. Doch dann ist da eben noch die Musik, die den Inhalten ganz eigene Kraft verleiht. Mal rockt eine E-Gitarre, mal wimmert eine echte Hammondorgel; Geige und Cello streichen schöne Töne, Kontrabass und Percussions legen das musikalische Fundament, auf dem sich auch mal ein Saxofon oder sogar ein Rapper entfalten. Die Texte sind fromm, ohne einzuengen. Das Wort „Gott“ kommt nicht vor – und trotzdem schwebt Gott irgendwie zwischen den Zeilen und Noten. Etwa im Lied „Vergiss nicht deine Flügel“: „Stell dich der Gefahr, ich bin doch da!“, ermutigt da eine Stimme, „sei mutig, weil ich bei dir bin!“ Ergreifend auch, wie Andi Weiss die Zusage Gottes, am Ende alle Tränen abzuwischen (Offenbarung 21,4), in ein Lied verpackt. „Es kommt der Tag, da bist du frei… du wirst aufgerichtet … kannst dich selbst verstehn.“ Eine wundervolle Antwort auf die Frage: „Was kommt nach dem Tod?“

Andi Weiss‘ Lieder sind musikalische Seelsorge; sie sind tröstlich und erinnern an die eigenen Kräfte und an die alten Hoffnungsbilder zu erinnern, statt oberflächlichen Heilszusagen zu vertrauen. Und wer weiß, vielleicht werden ja die Bootsverleihe am Starnberger See im Frühjahr neue Kunden finden: All die, die wie der Musiker über den See rudern wollen, auf den Lippen „Morgen ist jetzt!“

Andi Weiss: Gib alles, nur nicht auf, Gerth Verlag Aßlar 2019 (CD, Impulsbuch unter gleichem Titel erschienen)

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