Bernd Harder, Hansjörg Hemminger – Was ist Aberglaube

Bernd Harder, Hansjörg Hemminger – Was ist Aberglaube

Schwarze Katzen, Freitag der 13., Wünschelruten und Glücksbringer: Aberglaube begleitet alle Kulturen und Religionen der Neuzeit. Bis heute scheinen die wenigstens Menschen gefeit zu sein vor vermeintlich geheimnisvollen Zahlenkombinationen, Tieren und Vorgängen. Was es genau mit dem Phänomen des Aberglaubens auf sich hat, versuchen zwei kompetente Autoren zu ergründen. Bernd Harder hat sich bereits als Verlagsredakteur auf dem Gebiet des Übersinnlichen kundig gemacht; der studierte Verhaltensforscher Dr. Hansjörg Hemminger hat als landeskirchlich Beauftragter für Weltanschauungsfragen viele Erfahrungen mit Gläubigen aller Schattierungen gesammelt. Einen „kritischen Realismus” bemüht Hemminger, um Aberglaube zu definieren und zu erkennen. „Neben dem Merkmal offenkundiger Irrationalität von Denken und Tun” müsse „das Merkmal der unmittelbaren Verzweckung des Denkens und Tuns hinzukommen, damit man sinnvollerweise von Aberglaube reden kann.” Religiöse Ziele verfolge der Aberglaube nicht, sondern verheiße ganz profane Lebenshilfe. Glück und Erfolg sollen sich einstellen, Gesundheit oder Schutz vor Gefahren. Mit christlichem Glauben habe das weniger zu tun als mit Magie oder Okkultismus.

Diese weite und theologische Definition füllt Ko-Autor Harder mit vielen Beispielen. Angefangen bei Angst vor Freitag dem 13., erklärt er die Wirkung von Kettenbriefen, beschreibt Wahrsagerei und Wünschelrutengehen, Pendeln, Gläserrücken und Kontakte mit Verstorbenen mittels Tonbandstimmen. Furcht sei stets die Kraft, die Menschen zu abergläubischen Praktiken führe. Dabei sei die Gefahr groß, dass sie „Geistheilern und Okkultschwindlern” auf den Leim gehen, die Angst und Leichtgläubigkeit von Hilfesuchenden ausnutzen. Eindrückliche Beispiele hat Harder recherchiert, in denen PSI-Berater und Parapsychologen, Geistheiler und Astrologen eine unrühmliche Rolle spielen. Tiefe verleiht Hansjörg Hemminger dem Phänomen im letzten Buchteil. Die Neigung zum Aberglauben gehöre zum Menschsein und müsse „in die Vielfalt der seelischen und kulturellen Gegenbewegungen eingeordnet werden, mit denen Menschen und Gesellschaften sich der Nöte des Lebens zu erwehren hoffen”. Die christlichen Kirchen sollten den Aberglauben nicht verdammen, sondern auf dieses menschliche Bedürfnis mit eigenen, nicht-abergläubischen Ritualen antworten.

Bernd Harder, Hansjörg Hemminger: Was ist Aberglaube? Bedeutung – Erscheinungsformen – Beratungshilfen. Gütersloher Verlagshaus, 2000, 144 Seiten, ISBN 3579033468

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