Leonard Cohen – Buch der Sehnsüchte

Leonard Cohen – Buch der Sehnsüchte

Buch der Sehnsuechte von Leonard Cohen
Buch der Sehnsüchte von Leonard Cohen

Was für ein Abend vor vier Jahren in der Berliner Waldbühne: Leonard Cohen, 78 Jahre alt, im dunklen Anzug mit Hut, begleitet von einer grandios entspannt aufspielenden Altherrenband und engelsgleichen Backgroundsängerinnen. „Dance me to the end of love“, „Tanz mich bis zum Ende der Liebe“. Rausch und Abschied, Sehnsucht und Erfüllung, mystische Vereinigung und die Einsicht in die gegenseitige Unverfügbarkeit: Wer etwas Wesentliches über die Liebe wissen will, der lese und höre Cohen.

„Lass uns nicht über Liebe und Ketten sprechen und Dinge, die man nicht wieder auseinanderkriegt“: So verarbeitete er die Trennung von seiner langjährigen Geliebten Marianne, und schwelgt gleichzeitig von ihrem langen blonden Haar, das morgens „wie ein schlafender goldener Sturm“ auf dem Kissen liegt. Im letzten Sommer schrieb er der sterbenskranken Lebensfreundin, sie solle sich nach seiner Hand ausstrecken, er würde ihr bald folgen. Das trat ein: Am 7. November ist Cohen gestorben. „Ich bin bereit zu sterben Ich hoffe, es ist nicht zu unangenehm. Das ist alles, was ich dazu zu sagen habe“, sagte er unlängst im Interview mit dem „New Yorker“. Und auf seiner letzten CD, die im Oktober erschien, sang er: „Hineni, hineni, I’m ready, my Lord.“. Hineni ist hebräisch und bedeutet: „Hier bin ich“.

Cohen war Enkel eines Rabbis, es klingt, als sei er nach einigen spirituellen Umwegen zurückgekehrt zu seinen jüdischen Wurzeln. Jahre verbrachte er in einem Zen-Kloster. Jesus war ihm eine Herausforderung: „Jesus was a sailor when he walked upon the water“, und er verhieß, alle würden Sailor werden.

Ja, Cohen ist auch ein Lehrmeister es Glaubens. Wenn schon Worte über Gott und den Himmel, dann bitte wie Cohen: in einer Sprache, die nicht erklärt und schwadroniert, sondern das große Geheimnis, den „geheimen Akkord“ wahrt. Denn da sind sich Liebe und Religion eins. Wer die Tiefen und Lüste der irdischen Liebe dann ausgelotet hat, darf auch mit König David und Cohen „Halleluja“ singen. „There is a crack in everything, where the light comes in“: In allem gibt es einen Bruch, durch den das Licht eintritt. Die Lieder Cohens halten diese Wahrheit wach.

Eine Auswahl seiner Texte ist unter dem Titel „Buch der Sehnsüchte“ erschienen. Wundervolle Texte. Und, hört, hört, sogar Luther kommt drin vor, und zwar in einem Loblied auf sein Tagebuch: „Du bist größer als die Bibel, (…) gefährlicher als Luthers Thesen am Kirchenportal.“

Leonard Cohen: Buch der Sehnsüchte. btb München 2010. 240 S., € 9,-

 

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