Klaus Modick – Konzert ohne Dichter

Klaus Modick – Konzert ohne Dichter

„Für einen flüchtigen Augenblick überkam ihn ein Anflug von Heimweh und Holzpantinen und nach Torfrauch statt der überm Getümmel dräuenden Wolke aus Parfum, Sektdunst und Zigarettenqualm.“ Ja, so wird es Heinrich Vogeler gegangen sein bei seinem Besuch in Berlin. Aus der Künstlerkolonie Worpswede bei Bremen war der berühmte Künstler für ein paar Tage in die Metropole eingetaucht, hatte sich in seinen Biedermeieranzug geschmissen, war im Lichte der Gaslaternen in die Behrenstraße 29 gefahren zu einer Vernissage im Kunstsalon Fritz Gurlitt.

„Wenn da einer aus allertiefster Provinz des Teufelsmoors auftauchte, musste er schon Flagge zeigen“, beschreibt Schriftsteller Klaus Modick mit trockenem Humor die Szene und schildert detailgetreu die Atmosphäre in der Galerie. Ausgestellt werden die freizügigen Bilder des Malers Fidus, die Berlin entzücken. „Det koof ick mir. Für überm Bett“, sagt ein begeisterter Besucher. Und mitten in der Berliner Bohème trifft Vogeler den schnauzbärtigen Rainer Maria Rilke, der mit gelben Gamaschen und schwarzer Weste wirkte wie ein „geckenhafter Prediger seiner eigenen Konfession“.

In Klaus Modicks Buch „Konzert ohne Dichter“ stimmt alles. Sein historischer Roman schildert die Zustände und Beziehungen in der Worpsweder Kunstszene am Anfang des 20. Jahrhunderts. Dort tummelten sich viele Dichter, Denker und Künstler, Männer wie Frauen, und huldigten der Leibe und den Birken, der Melancholie und dem ländlichen Leben – darunter der Maler Heinrich Vogeler, der Mäzen Ludwig Roselius, aber auch Paula Modersohn-Becker und Clara Westhoff, die sich in der Männerwelt als Künstlerinen behaupteten. Und Dichter Rainer Maria Rilke, der im Jahr 1900 aus Berlin kurz und heftig in die Worpsweder Welt eintauchte und sie mit seiner narzisstischen Dichterei aufwirbelte. Auch die jugendstilige Ausstattung des Buches ist ein Genuss.

 

Klaus Modick: Konzert ohne Dichter, Roman. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2015, 230 Seiten, 17,99 Euro. Sonderausgabe in Leinen in der Büchergilde Gutenberg (für Mitglieder)

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