Orte der Reformation: Oberlausitz

Orte der Reformation: Oberlausitz

Martin Luther war nie in der Oberlausitz. Ich schon, aber nur in Herrnhut, der Heimat der Losungen und Adventssterne. Zittau und Bautzen, Görlitz und die wunderschönen weiten Landschaften und Wälder in der Grenzregion zu Polen und Tschechien – die sind mit bislang leider noch unbekannt. Ebenso die Kirchengeschichte dieser Region.

Meiner Wissenslücke hilft das neue Heft aus der Reihe „Orte der Reformation“ ab, das sich der Oberlausitz widmet. Klug, schön bebildert und unterhaltsam belehrt es mich: Obwohl Luther nicht dort war, hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte der Großteil der Bevölkerung für seine Ideen geöffnet. Nur die Zisterzienserinnenklöster St. Marienstern, St. Mareinthal, das Magdalenerinnenkloster Lauban sowie das Domstift Bautzen widersetzten sich der Reformation und konnten einen Teil ihrer Untertanen beim alten Glauben halten. Es entwickelte sich eine außergewöhnliche konfessionelle Vielfalt, in der neben Lutheranern und Katholiken zeitweilig auch mährische Brüder und Schwenkfelder Aufnahme fanden und in der es mit der bis heute bestehenden, weltweit aktiven Herrnhuter Brüdergemeine sogar zur Bildung einer evangelischen Freikirche kam, die ihre Wurzeln in der Reformation Martin Luthers hat.

Nach der Teilung der Oberlausitz 1815 folgte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens der Lehre Luthers, während auf preußischer Seite lutherische und reformierte Traditionen in der unierten Kirche zusammengeschlossen wurden und heute in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz vereint sind. Da hat die EKBO einen Schatz, der noch gar nicht gehoben ist. Und das, obwohl der Bautzener Dom eine Vorbildfunktion für die Ökumene haben könnte: Die Kirche wird seit dem Reformationszeitalter vorn beiden Konfessionen benutzt, eine der wenigen Simultankirchen Deutschlands. Ich schreibe ihn auf meine Reiseliste.

Orte der Reformation: Oberlausitz. Hrsg. vom Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig. 92 Seiten, viele Abbildungen, 9,90 Euro

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