Reinhard Dithmar – Lutherdenkmäler

Reinhard Dithmar – Lutherdenkmäler

2017 soll Luther vom Sockel geholt werden; statt als heldenhafter Heiliger soll er nun mit allen menschlichen wie theologischen Höhen und Tiefen gezeigt werden. Dazu ist es gut, die Sockel zu kennen, auf die ihn die evangelische Christenheit der letzten Jahrhunderte gestellt hat.

Reinhard Dithmar, emeritierter Professor für Literaturdidaktik an der feien Universität Berlin, hat sich viele Lutherdenkmäler angeschaut und zu Gemüte geführt. Sie seinen „Lesezeichen der Geschichte“, schreibt er im Vorwort – und dann beginnt seine beeindruckende Tour durchs deutsche Lutherland, schön geordnet nach Orten und Zeiten. Auch auf dem EKBO-Terrain hat Dithmar einige gefunden und beschreiben. In Berlin, natürlich, die Statue und Reliefs im Dom, außerdem eines auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof sowie vor der Marienkirche und an der Pankower Hoffnungskirche. Ein Engel trägt Luther auf seinen gewaltigen Flügeln vor der Moabiter Reformationskirche. In Babelsberg steht Luther, ebenso vor der jugendstiligen Fassade des Niedersorbischen Gymnasiums in Cottbus.

Je später die Lutherdenkmäler entstanden, umso ungewöhnlicher wurden sie. So blickt der Luther in Frankfurt (Oder) nicht festen Glaubens, sondern sorgenvoll gen Himmel und hält eine Hand suchend geöffnet. Interessant die Geschichte des Lutherdenkmals in der der Bekennenden Kirche nahestehenden Martin-Luther-Kirche in Berlin-Lichterfelde. Der barhäuptige Mönch presst die geöffnete Bibel mit seiner linken Hand fest an seine Brust; die rechte Hand weist nach oben, zwei Finger ragen wie Schwurfinger empor, drei sind zur Faust gekrümmt. Übrigens: Auch drei Berliner Denkmäler von Luthers Mitstreiter Philipp Melanchthon kommen vor. Dithmars Buch ist eine ungewöhnliche Kirchengeschichtliche Lesereise in die Tiefen der Lutherverehrung.

Reinhard Dithmar: Lutherdenkmäler. Wartburg-Verlag Weimar 2014, 192 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 17,50 Euro

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